TALENTE – Meister der Zukunft 2023

2023 präsentierte „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ Arbeiten von 98 jungen Gestalterinnen und Gestaltern bzw. Teams aus 24 Ländern in 12 unterschiedlichen Gewerken. 2023 waren auch Werke von Teilnehmenden aus China, Indien, Iran, Litauen, Mazedonien, Mexiko, der Slowakei und Taiwan dabei.

TALENTEmünchen zeigte innovative, einfallsreiche, außerordentliche und sehr unterschiedliche Werke gerade in den Bereichen Glas, Keramik, Schmuck und Textil. Die Exponate spiegelten besonders das große Interesse an Textilien, das sich schon in den letzten Jahren zeigen ließ, und dasjenige für Glas, das als ein vielfältig einsetzbarer Werkstoff entdeckt wird.

Aktuelle Tendenzen

„TALENTE – Meister der Zukunft“ präsentierte in diesem Jahr Arbeiten, die sich mit aktuellen Problemen auseinandersetzten. Dazu zählten die Wiederverwendung von organischen Abfällen zur Erstellung von Kunststoffalternativen, das Entwickeln von recycelten Fahrrädern und variablen Lastenfahrrädern sowie praktische, unkomplizierte und anpassungsfähige Entwicklungen zu Schutzwesten und Lötrauchabsaugungen.

Im Vergleich mit den Bewerbungen der Vorjahre schien sich ein stark wachsendes Interesse am Glas abzuzeichnen. Es fiel hier die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und die Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten für das Medium auf. Es ging um die Themen Umweltverschmutzung und Bedrohung der Natur, um die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, Globalisierungseffekte, aber auch um das Erproben von Glas im Rahmen von Skulptur und Musik.

Vorgestellt wurden aber auch poetische Arbeiten, die sich mit Farbharmonien, Reiseerinnerungen, den tiefen Eindrücken, die andere Kulturen, ihre Traditionen, Orte und ihre Handwerkskünste hinterlassen hatten. Daneben gab es Entwürfe, die in Auseinandersetzung mit neuen Trends im Bereich Essen und Essverhalten zu innovativen Lösungen gelangen.

Letzteres Thema wurde auch im Bereich Keramik aufgegriffen ebenso wie dasjenige des Umweltschutzes. Hier diente der reflektierende Rückbezug auf Natur/Umwelt und Geschichte auch als ein Mittel, zu einer höheren Aufmerksamkeit aufzurufen und sich selbst als Teil einer Geschichte zu verstehen.

Immer wieder wurde auf das Verhältnis von Tradition und Moderne verwiesen, sei es im inhaltlichen Zusammenhang als auch im technischen Bereich. Abfall wurde nach wie vor als ein Material entdeckt und die Schönheit im Ungewohnten, vielleicht sogar im „Hässlichen“ gesucht und damit traditionelle ästhetische Begriffe hinterfragt.

In diesem Jahr war das Textil weniger durch modische Interessen als durch inhaltliche Fragen bestimmt. Hauptthemen bildeten das kulturelle Miteinander und Toleranz, aber es ging auch um Fragen der Sexualität und der Geschlechter. Zugleich wurde mit dem Medium des Textilen Langsamkeit und Sorgfalt der Tätigkeit verbunden, die eine Konzentration auf das Ich hervorrief. Daneben fanden sich auch im Textilen praktische Ansätze, die z. Bsp. dem Textil als Alternativmaterial in der Architektur oder als pädagogisch-therapeutisches Spielzeug für Kinder gewidmet waren.

Der Bereich Schmuck war wieder durch die Vielfalt der verwendeten Materialien und zugrundeliegenden Ansätze geprägt. Auch hier war eines der Hauptthemen dasjenige des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit.

Viele junge Künstler/innen griffen auf Abfallmaterialien, seien es natürliche Materialien oder Elektroschrott, zurück, um diese zu bearbeiten und dann in einen neuen Kontext einzufügen. Gerne wurden die Abfallmaterialien mit einer Formsprache kombiniert, die sich an historischem Schmuck orientiert.

Zugleich wurde die dem zeitgenössischem Schmuck ohnehin innewohnende Frage nach der Wertigkeit angesprochen.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie hier herunterladen oder auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2023

Elisabeth Ott, Deutschland

Holz

Elisabeth Otts Kajak überzeugte die Jury durch den Umgang mit dem Material, durch den technischen Prozess, der zur Formgebung beiträgt. Diese Verbindung von Konstruktion und ästhetischem Erscheinungsbild wurde hervorgehoben ebenso wie die innovative, im Bootsbau ungewöhnliche Technik.

Agnes Kelm, Deutschland

Holz

Agnes Kelms Besen lösen das funktionale Objekt aus seiner alltäglichen Effizienz und lassen es eher zu einem Gegenstand werden, dessen Handhabung einen meditativen, nahezu rituellen Charakter besitzt. Der Gebrauch der Besen vermittelt Ruhe in einer hektischen Welt. Die Jury lobte zudem die handwerklich überzeugende Ausführung und verwies auf die Seltenheit dieses Handwerksbereiches.

Philsoo Heo, Südkorea / Deutschland

Keramik

Philsoo Heos Arbeit „Burn Out“ überzeugte durch ihre skulpturale Qualität, durch die ruhige und kraftvolle, konzentrierte und mysteriöse Monumentalität und Präsens. Die intensive und reflektierte Auseinandersetzung mit den Materialien wird in diesem eigenständigen und selbstverständlichen Werk deutlich.

Yinglong Li, China / Großbritannien

Metall

Yinglong Lis kleinformatige Gefäße sind durch den virtuosen Einsatz der hochkomplizierten und komplexen plique à jour oder Fensteremail-Technik bestimmt. Statt gegenständlicher Motive entschied er sich dafür, angeregt durch die impressionistische Malerei, mit dem Licht zu spielen und dieses in der nuancierten Farbwahl, den feinen Schattierungen und Brechungen zu vermitteln.

Matthias Gschwendtner, Deutschland

Möbel

Matthias Gschwendtners „Log Chair“ überzeugte die Jury durch die Kombination von hochtechnologischem Prozess und individueller Produktion. Aus Abfallmaterialien der Holzindustrie werden durch einen mehrstufigen Prozess Einzelstücke hergestellt. Der Sitzkomfort, die Grundform sind gleich, aber in den Details, abhängig von den jeweiligen Holzstücken, unterscheiden sich die einzelnen Stühle.

Susie Heuberger, Mexiko / Deutschland

Schmuck

Der Halsschmuck von Susie Heuberger verwendet Material – Maiskörner und textile Fäden – in einem metaphorischen Sinne. Formgebung und Material verweisen dabei auf vielfältige Weise auf Mexiko. Sie spielt mit ihren Arbeiten auf politische und soziale, aber auch auf ökologische Aspekte des Landes an. Der Mais als Nahrungsmittel ersetzt unter ökonomischen Blickwinkel die Edelsteine. Zugleich verweist Susie Heuberger in der Verwendung von Fäden auf grundlegende Aspekte des Schmucks, dessen Ursprünge und frühe Formgebung in der Arbeit mit textilen Materialien liegen.

Haisheng Liu, China / Südkorea

Schmuck

Haisheng Lius Broschen in Dosenform sind durch das Interesse an neuen Materialien bestimmt, das zu einer für den Schmuck ungewöhnlichen und geheimnisvoll anmutenden Ästhetik führt. Die Arbeiten faszinieren sowohl als Objekt als auch als Schmuckstück. Dabei spielt Haisheng Liu mit dem Gegensatz von Form, einer Metalldose, und dem Material, dem biegsamen Lederersatz, mit dem Gegensatz dieses ephemeren Materials und dem bleibenden Wert von Schmuck.

Jeroen van den Bogaert, Niederlande

Textil

In seinen Wandbehängen, deren Anordnung sich auf die Form des christlichen Triptychons bezieht, setzt sich Jeroen van den Bogaert mit den Konzepten von Männlichkeit auseinander. Im Mittelpunkt steht dabei die toxische Männlichkeit mit ihrer Fokussierung auf Gewalt. Jeroen von den Bogaert unterstreicht die Ambivalenz von Ablehnung und Faszination dieser Männlichkeitsvorstellung und verweist zugleich in der Kombination von zeitgenössischen Fotografien und historischen Motiven darauf, wie wenig Veränderung und Entwicklung in Hinblick auf bestimmte Verhaltensmuster stattgefunden hat.

Gewinnerinnen und Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2023

Dagmar Gerke, Deutschland

Farbige Glasgefäße

Dagmar Gerkes Gruppen aus Glasgefäßen faszinieren durch den Reichtum der Farben, Formen und Oberflächen. Sie sind das Ergebnis ihrer Masterarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Jede Gruppe basiert auf einer Fotografie, die während einer Taiwanreise entstand. So kreiert sie eine Farbskala, die sich in den Gläsern wiederfindet. Auch die Oberflächen erinnern an das Reiseland Taiwan, so werden die Gläser in Formen aus Bambus und Chinaschilf mundgeblasen. Hier verschmelzen verschiedene Elemente unterschiedlicher Kulturkreise miteinander zu einem Objekt.

Konrad Jünger, Deutschland

Experimentelle Porzellanobjekte, digital produziert

Konrad Jünger untersuchte in seiner Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, welche gestalterische Kraft dem Material Porzellan mithilfe digitaler Produktion innewohnen kann. Entstanden ist dabei eine Gruppe von Porzellanschalen, die trotz industrieller Produktgestaltung mithilfe eines digital gesteuerten Roboterarm Unikatcharakter erhalten.

Nicole Magagnotti Panizza, Italien

Fünfteiliges, inklusives, modulares, textiles Spielzeug

Nicole Magagnotti Panizzas Projekt „Kokko“ entstand an der Freien Universität Bozen und dient als integratives, tragbares, modulares, textiles Spielzeug. Dieses richtet sich besonders auf die sensorischen Bedürfnisse von Kindern aus. Es dient zur Behandlung von Integrationsstörungen und Autismus und zielt auf geistige und körperliche Gesundheit ab. Es dient somit pädagogischen und therapeutischen Zwecken.

Tal Narkiss, Israel

Gewebte Vasenobjekte

Das Shenkar College of Engineering, Design and Art in Tel Aviv entsendet seit Jahrzehnten die innovativsten und interessantes Textilarbeiten in die Sonderschau „TALENTE – Meister der Zukunft“ der Handwerksmesse. So gesehen sind auch die handgewebten, dreidimensionalen, textilen Gefäße von Tal Narkiss außergewöhnlich und faszinierend. Entstanden sind sie auf einem 24-schäftigen Schaftwebstuhl. Als Inspiration dienten Gefäße aus der Antiquitätensammlung von Tal Narkiss Großvater.