TALENTE – Meister der Zukunft 2012
Die Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ zeigte in diesem Jahr Arbeiten von 98 jungen Gestalterinnen und Gestaltern aus 28 Ländern und aus 11 unterschiedlichen Gewerken.
Über 600 Bewerbungen aus mehr als 30 Ländern gingen für „TALENTEmünchen 2012“ ein. Ausgewählt wurden Beiträge aus Australien, Belgien, China, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Israel, Italien, Japan, Kanada, Litauen, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, Polen, Russland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Südafrika, Südkorea, Taiwan, der Tschechischen Republik, Ungarn, Venezuela.
Besonders erfreulich ist, dass in dem Jahr viele außergewöhnliche Beiträge zum Thema „Glas“ eingegangen sind und so die Sonderschau „EXEMPLA“ ergänzten, die sich dem Glas widmete.
Aktuelle Tendenzen
Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2012
Gian Andri Bezzola, Schweiz
Gian Andri Bezzolas Rutschfahrzeug „Tupi“ überzeugte die Jury aufgrund der stimmigen Gestaltung und des ausgeklügelten Mechanismus der Räder, der sowohl einen Dreh und einen Fahrzustand gestattet. Die vielseitige Beweglichkeit und einfache Lenkung des Rutschfahrzeugs macht es für Kleinkinder und die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten besonders geeignet. Sowohl Idee als auch Umsetzung und Ausführung wurden als äußerst gelungen bewertet.
Damien Francois, Frankreich
Damien Francois Arbeiten zeigen einen interessanten, experimentellen Umgang mit Glas. Die Werke sind durch die handwerkliche Qualität und die im Material Glas ausgedrückte Idee eines naturwissenschaftlichen Laboratoriums gekennzeichnet. Die Gestaltung des Materials verleiht den einzelnen Objekten der Gruppen eine ungewöhnliche Intensität und Lebendigkeit, die Kleinteiligkeit lädt zu einer detaillierten Erkundung ein. Dabei schwankt die Wirkung zwischen Naturwissenschaften und einem geheimnisvollen Alchemistenlaboratorium.
Lukas Wegwerth, Deutschland
Mit Lukas Wegwerths Vase wird nicht nur ein ungewöhnliches Verfahren des Reparierens vorgestellt, sondern zugleich den Gegenständen eine neue ästhetische Wirkung verliehen und das Thema der Fragilität angeschnitten. Das Alte und Neue, die Gestaltungsansätze verschiedener Zeiten werden durch die Methode kombiniert, die aktuellen Ansätze von Nachhaltigkeit und Upcycling umgesetzt. Kristalle als Symbole für die Ewigkeit scheinen besonders geeignet, das Leben der Dinge zu verlängern.
Ryo Azuma, Japan
Die Teeschalen von Ryo Azuma faszinieren in einer Zartheit, Fragilität und der ihrer Bearbeitung zugrundeliegenden Geduld. In seinen Arbeiten findet sich ein Bezug zur Kunst und Kultur der Vergangenheit, der Verweis auf die Traditionen. Seine Teeschalen sind keine Nutzgegenstände, da die Wandungen perforiert sind, sondern vielmehr deuten sie auf die japanische Teezeremonie und die Bedeutung der Schalen als Objekte der Kontemplation und Ästhetik hin.
Nienke Janssen, Niederlande
Nienke Janssens Kabinettschrank basiert auf einer langen Tradition holländischer Möbel. Im Gegensatz zu diesen historischen Möbeln wählt sie unwertes Material, welches sie so bearbeitet, dass reizvolle Oberflächenmuster entstehen, die ebenso wie der Möbeltypus von der Wertlosigkeit ablenken. Ihre Arbeit steht im Kontext von Überlegungen zur Wiederverwendung von Materialien, zeigt das Interesse für Materialqualitäten und dokumentiert den Blick des Gestalters auf die Gegenwart im Verweis auf die Formensprache der Vergangenheit.
Märta Mattsson, Schweden
Märta Mattssons Broschen aus der Serie „Fossils“ sind durch den vielfältigen Gebrauch unterschiedlicher Materialien gekennzeichnet, die auf eine interessante und harmonische Weise kombiniert werden. Die verschiedenen Verfahren verweisen ebenso wie die Motivik auf die Geschichte des Schmucks wie z. Bsp. auf Arbeiten des Jugendstils. Die „Fossils“ bilden eine Umsetzung des Naturvorbilds, seine Verfremdung. Sie zeigen eine Position zeitgenössischen Schmucks, die Objektcharakter und Tragbarkeit vereint.
Marina Elenskaya, Russland
Marina Elenskayas Arbeiten sind geprägt durch das Moment des Unerwarteten. Das Auto-Sicherheitsglas lässt großes Gewicht und feste Oberflächen vermuten, doch ist der Halsschmuck relativ leicht und durch das Silikon flexibel. Die reizvoll schimmernden Oberflächen der Anhänger irritieren und laden damit zu Auseinandersetzung und Kommunikation ein. Zugleich entstehen durch die Größe der Anhänger, die Art der Aufhängung und Befestigung Parallelen zu den Dingen, die jeden Tag wie z. Bsp. Taschen getragen werden und geben damit dem Schmuck eine neue Ebene.
Karina Siegmund, Norwegen
„The Mountain“ kombiniert zwei unterschiedliche Medien – das traditionelle der Tapisserie und das moderne des Films -, denn auf die Tapisserie mit der Darstellung des Berges wird der Wechsel der Tageszeiten projiziert. Die Textilarbeit überzeugt jedoch auch ohne den Film durch die Materialwirkung und die Auswirkung des Lichts auf der Oberfläche. Auch in den verwendeten Materialien zeigt sich der Aspekt des Neuartigen und Ungewöhnlichen. Sie suggerieren den auf den Bergen liegenden Schnee.
Gewinnerinnen und Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2012
Joohyun Ahn, Südkorea
Räuchergefäße aus Beton, Holz und Metall
Joohyun Ahn beendete im Jahr 2011 sein Studium an der Hanyang Universität in Seoul/Südkorea im Fach Metallgestaltung. Den Bayerischen Staatspreis für Gestaltung erhält er für Räuchergefäße aus Beton, Metall und Holz. Seine ungewöhnlichen Gefäße kombinieren eine Rauchschale aus Metall mit einer Ummantelung aus Beton und Girffen aus Eisen. Die formale Eigenständigkeit des Entwurfes, die fein aufeinander abgestimmte Farbigkeit und die Wirkung der Materialkombinationen sind eindrucksvoll gelöst.
Sharon Golan, Israel
Kombinierte Schuhelemente „Myshell“
Sharon Golan aus Israel studierte an der Bezalel Academie in Jerusalem Mode- und Schmuckdesign. Sie hat ein innovatives modulares Schuhsystem zum Selbstgestalten und Variieren entwickelt. Der Schuh besteht aus vier Einzelteilen, die durch zwei Gummibänder zusammengehalten werden. Zur Verfügung stehen vier Grundtypen. Die Schuhe können am Computer aus den einzelnen Bestandteilen zusammengestellt werden. Insgesamt ergeben sich so 256 verschiedene Tragweisen. Ein Traum für alle Schuhliebhaberinnen.
Kiho Kang, Südkorea
Keramikinstallation „landscape“
Kiho Kang stammt aus Südkorea. Zurzeit studiert er am Institut für Künstlerische Gestaltung in Höhr-Grenzhausen. Den Bayerischen Staatspreis erhält er für seine Installation aus Keramikgefäßen mit dem Titel „landscape“. Dabei handelt es sich um die Zusammenstellung von Gefäßen der koreanischen Teezeremonie, die in verkleinerter Form zeichenhaft auf ihre Funktion hinweisen. In der gestalterischen Prägnanz, den klaren Formen und der überlegten Farbigkeit, fügen sie sich beziehungsreich und spannungsvoll zu einer Gruppe zusammen.

















