TALENTE – Meister der Zukunft 2018

2018 präsentierte „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ Arbeiten von 110 jungen Gestalterinnen und Gestaltern aus 30 Ländern in 11 unterschiedlichen Gewerken. Zu sehen sind u. a. Arbeiten von Teilnehmer/innen aus Taiwan, den Philippinen, der Ukraine, dem Iran und aus Bosnien-Herzegowina. Insgesamt erreichten uns ca. 600 Bewerbungen aus 56 Ländern, darunter auch aus Pakistan, Rumänien, der Türkei, aus Vietnam, Macau und Hongkong.

TALENTEmünchen zeigte innovative, fantasievolle, interessante und ungewöhnliche Arbeiten von großer Vielfalt in den Bereichen Glas, Keramik, Metall, Möbel und Schmuck sowie eine ungewöhnlich hohe Anzahl an interessanten Textilien.

Aktuelle Tendenzen

Wie im vorgegangenen Jahr stand das Thema Material im Mittelpunkt vieler Arbeiten. Es ging dabei zum einen um neue, ungewöhnliche Materialkombinationen, die eine neue Optik vermitteln, zum anderen um die Auseinandersetzung mit traditionellen Fertigungsmethoden.

Diese Arbeiten hatten einen oftmals experimentellen Ansatz. Es wurde erprobt, was mit einem Material möglich ist, wie dieses modifizierbar ist und welche neuen Möglichkeiten der Bearbeitung und Gestaltung sich daraus entwickeln. Dabei verwendeten Gestalter/innen oftmals mehrere verschiedene Medien, um jeweils den Charakter unterschiedlicher Materialien prozesshaft zu erkunden und zu erforschen.

Verbunden mit dem Thema Material war zudem das Thema der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes. Materialien wurden wiederverwendet und neu kombiniert, so dass sie weiterhin nutzbar waren; es wurde auf die umweltfreundliche Abbaubarkeit der Stoffe geachtet, und es wurde ein Augenmerk auf eine Mehrfachnutzung und Wiederverwendung bei Veränderung der Lebensumstände geachtet. Dieses Thema der Flexibilität und Veränderbarkeit bezog die zeitgenössischen Lebensumstände ein – den häufigen, berufsbedingten Ortswechsel.

Anliegen war es, einen Mittelweg zwischen pragmatischen Aspekten und dem Gefühl von „Heimat“ zu finden, Mobilität und Geborgenheit zu verbinden. Hierbei spielten die Verwendung natürlicher Materialien und die solide, qualitätsvolle handwerkliche Fertigung eine herausragende Rolle.

Material und Produktionsweise waren Garanten für ein angenehmes Gefühl, für die Stabilität und Belastbarkeit der Produkte. Dieses betraf besonders den Bereich der Möbel. Im Mittelpunkt des Interesses standen Mehrfachmöbel – also Möbel, die mehr als eine Funktion besitzen –, sowie Möbel, die schnell und einfach auf- und auseinanderzubauen sind, und Möbel, die wandelbar sind und damit an veränderte Lebens- und Wohnsituationen angepasst werden können.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie hier herunterladen oder auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2018

Miriam Schlägel, Österreich

Materialien und Technik

Miriam Schlägels Kacheln aus Asche überzeugten durch ihre Nachhaltigkeit. Das Abfallmaterial Asche wird mit Wasser und Kalk gemischt und dann durch Druck in Formen zu Kacheln verarbeitet. Durch die Art des verbrannten Holzes ergibt sich eine natürliche Farbigkeit. Die Jury regte an, dieses Projekt in Hinblick auf Stoßfähigkeit und Belastbarkeit auszubauen.

Anja Lapatsch und Annika Unger, Deutschland

Materialien und Technik

Bei Anja Lapatschs und Annika Ungers strengen Gefäßen gefiel der Jury besonders die Materialtransformation sowie die Spuren des Verwandlungsprozesses und die Korrespondenz zwischen Form und Material. Die Arbeiten werden durch das Zusammenwirken von nahezu wissenschaftlicher Recherche und künstlerischem Ansatz bestimmt.

Louise Lang, Deutschland

Glas

Louise Langs mehrteilige Glasarbeit ist durch einen für das Material Glas ungewöhnlichen Ansatz und große Feinheit bestimmt. Die Gefäße verwandeln ihr Erscheinungsbild im Siebdruck und behalten durch die Reliefhaftigkeit der Glasflächen zugleich ihre Dreidimensionalität. Durch die Lichtwirkung und den Standpunkt des Betrachters erhalten sie auf den dunklen Glasplatten einen geheimnisvollen, poetischen, aber auch fragilen Charakter.

Ruben van Megen, Niederlande

Möbel

Ruben van Megen verlegt den Teppich vom Boden auf den Tisch, wodurch er den Kontext und den Wert des Teppichs verwandelt, zugleich aber auch an niederländische Tradition und Geschichte anschließt, erinnern doch Teppiche auf Tischen an Darstellungen in niederländischen Interieurs und Stillleben des 17. Jahrhunderts. Hiermit ist der Tisch ein Beispiel für das Fortsetzen von Traditionen in der Gegenwart und ihre Verwandlung entsprechend zeitgemäßer Bedürfnisse.

Mariana Berecová, Slowakei

Stein

Bei Maria Berecovás Objekten gefielen die Handwerklichkeit und deren Wertschätzung als grundlegende Qualität für die Zukunft. Darin sind sie von Zeitlosigkeit geprägt und entziehen sich jeglicher Festlegung – es könnte sich um Arbeiten aus der Vergangenheit oder der Zukunft handeln. Sie sind durch einen archaisch anmutenden Charakter bestimmt, der sie zugleich wie Projektile oder Ritualobjekte wirken lässt.

Renee Pearson, Neuseeland

Stein

Renee Pearsons Serie von Besteck-Objekten verweist in einer archaischen Weise auf ihre Herkunft Neuseeland. Sie besitzen eine sozialkritische Aussage, sind aber zugleich von Zeitlosigkeit bestimmt, die sie wie Studien, Fragmente, Entwürfe oder Zeichen wirken lässt. Der Betrachter wird einbezogen, indem er aufgefordert wird, die Formen zu ergänzen.

Lucy Ganley, Großbritannien

Schmuck

Lucy Ganley stellt sich mit den Schachtelformen ihrer Broschenserie „Prison is good business“ in die lange Tradition von Memorialschmuck ein, wo Schmuck als Behältnis, zur Aufnahme von unterschiedlichen Erinnerungsstücken dient. Die Technik der Stickerei verbindet die Broschen mit dem Körper, besitzen sie dadurch doch eine Nähe zur Kleidung. Zugleich reflektiert Lucy Ganley darüber, was Gefängnis meint und welche Orte eine gefängnisartige Qualität annehmen können. In all diesen Aspekten gehen ihre Broschen über die engere Definition dessen, was Schmuck meint, hinaus.

Sehee Um, Philippinen / Südkorea

Schmuck

Sehee Ums Broschenserie überzeugte die Jury durch die subtile Materialwahl und Kombination, durch die spannungsvolle Arbeit mit flachen und reliefierten Partien, durch den Kontrast von sorgfältig strukturierten und chaotisch anmutenden Bereichen. Sie erscheinen dekorativ und prachtvoll, obwohl sie aus unedlen Materialien gefertigt sind.

Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2018

Philipp Hiller, Deutschland

„SKEW“ – das flexible Regal

Das Regalsystem des Schreiners Philipp Hiller aus München passt sich an jede Dachschräge an und macht dabei auch optisch eine gute Figur. Es kann stufenlos auseinandergezogen und in unzähligen Variationen – z. B. als Raumteiler oder unter Treppen – genutzt werden.