TALENTE – Meister der Zukunft 2019

2019 präsentierte TALENTEmünchen Arbeiten von 103 jungen Gestalterinnen und Gestaltern aus 30 Ländern in 11 unterschiedlichen Gewerken. In diesem Jahr waren auch Werke von Teilnehmer/innen aus China, Estland, Iran, Lettland, Litauen, Mexiko, Rumänien und der Ukraine dabei.

TALENTEmünchen zeigte innovative, einfallsreiche, außerordentliche und sehr unterschiedliche Werke gerade in den Bereichen Glas, Keramik und Schmuck sowie eine ungewöhnlich große Anzahl an interessanten Textilien sowie Modeentwürfe. Dieser Schwerpunkt passte in diesem Jahr perfekt zu dem Thema der benachbarten EXEMPLAmünchen, die sich mit „Textil – Stoff der Zukunft“ beschäftigte.

Aktuelle Tendenzen

Bekannte Werkstoffe und natürliche Rohstoffe wurden in diesem Jahr auf ungewohnte Weise eingesetzt. Besonders die Arbeit mit recycelten Materialien stand im Fokus – nicht als reine Wiederverwertung, sondern als kreative Verfremdung. Farbigkeit, Oberflächen und spezifische Eigenschaften der Materialien wurden genutzt, um spannende ästhetische Effekte zu erzielen.

Ein anderes Thema bildete die Kombination von neuen digitalen Technologien und traditioneller Handwerkskunst. Aus einer reflektierten Auseinandersetzung mit deren jeweiligen Eigenschaften entstanden ungewöhnliche Arbeiten mit innovativem, reizvollem Erscheinungsbild.

Zugleich war eine Rückbesinnung auf traditionelle Techniken und qualitätsvolle handwerkliche Fertigung zu beobachten, die in die Gegenwart überführt und modernen Bedürfnissen angepasst werden. Weitere Themen bildeten Erinnerung, Natur, Umwelt, aber auch soziale Themen wie Alzheimer Erkrankung und die Stellung der Frau in unterschiedlichen Gesellschaften und Religionen.

Von tragbarer Mode bis zu skulpturalen oder dekonstruktiven Entwürfen: Im Bereich Textil spannte sich das Spektrum von Wandteppichen und Textilskulpturen über Webarbeiten bis hin zu innovativen Stoffdesigns. Traditionelle Techniken trafen hier auf neue Technologien und unkonventionelle Materialkombinationen, die überraschende visuelle und haptische Effekte hervorbrachten.

Der Bereich Schmuck war erneut stark vertreten. Die ausgewählten Arbeiten zeigen eine beeindruckende Vielfalt: recycelte Kunststoffe, Fundstücke, Holz, Beton, Federn, Quarz und Metall wurden kunstvoll verarbeitet. So entstanden Oberflächen und Formen von oft poetischem Charakter, die die Schönheit des scheinbar Nebensächlichen und Wertlosen sichtbar machen.

Besonders auffällig war in diesem Jahr die hohe Zahl an Gruppenarbeiten und Installationen. Sie luden dazu ein, Variationen von Grundformen, Oberflächenbehandlungen und Materialwirkungen zu erleben und miteinander zu vergleichen.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie hier herunterladen oder auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2019

Lukas Kinder, Deutschland

Materialien und Technik

An Lukas Kinders Werkzeugbaukasten für Lichtmalerei schätzte die Jury die benutzerfreundliche Ausrichtung, das Orientieren an den Arbeitsbedingungen, die reflektierte Lösung der Aufgabe. Aufsätze erlauben Flexibilität und eine Fülle von Effekten. Auch die hohe Qualität des selbst gebauten Werkzeugs wurde gelobt. Als Anregung für eine Weiterentwicklung der Idee wurde auf die Berücksichtigung vom Emotionalität und Spontanität verwiesen.

Benno Bruksch, Deutschland

Materialien und Technik

Bei Benno Bruckschs Projekt „Erde – Wachs – Stift“ überzeugte das Naturstudium, der Bezug zur und die Beschäftigung mit der Natur. Die Jury erinnerte daran, wie wichtig in der Vergangenheit das Studium der Natur für Künstler besonders im Bereich der Zeichnung war. Zugleich beeindruckte die Jury der Respekt gegenüber der Erde und die Einfügung dieses Materials in einen neuen poetisch-funktionalen, die lokalen Gegebenheiten berücksichtigenden Kontext.

Koutaro Uranaka und Takahiro Yamamoto, Japan

Materialien und Technik

Die fragil anmutenden Teedosen beeindruckten durch die Verbindung von japanischen Traditionen und moderner Technologie, die Verschränkung von Digital und Analog. Die handwerkliche Bearbeitung verleiht den Arbeiten, die sich den Medien der modernen Massenproduktion bedienen, Authentizität und Individualität. Zugleich zeigen die Werke ein Bekenntnis zu Dekoration und Oberflächengestaltung.

Morgane Beyrend, Frankreich

Mixed Media

Morgane Beyrends Arbeit setzt sich mit der Alzheimer Erkrankung und dem Alter auseinander. Der Verlust der Kontrolle, die mit der Erkrankung verbunden ist, wird in dem zunehmenden Verlust der klaren Form verdeutlicht. Das Motiv der russischen Steckpuppe versinnbildlicht die Einschränkung auf das Ich. Die zunehmende Formauflösung und die Abstufung der Materialien setzen die Fragilität des Alters um. Das Projekt mag der Familie von Betroffenen als Trost und zum besseren Verständnis der Krankheit dienen.

Manami Aoki, Japan

Schmuck

Die Broschen überzeugen durch ihre Sensibilität und Poesie, durch den Respekt für das Material und den Umgang mit Proportionen. Sie übersetzen den Vorgang des Kämmens in das Material von Zypressenholz. Gelobt wurden auch die haptischen Qualitäten und die illusionistischen Ansätze.

Marion Delarue, Frankreich

Schmuck

Marion Delarues Schulterbroschen aus Federn überzeugten die Jury durch die Ordnungssysteme und die Sophistikation. Sie betonen die Schultern und lösen damit militärische Assoziationen aus. Zugleich verweist die Pracht der Federn, die auf feine, respektvolle Weise behandelt werden, auf das Balzverhalten der Vögel und damit auch auf Schmuck als Mittel von Kommunikation und Selbstdarstellung.

Elwy Schutten, Niederlande

Stein

Elwy Schuttens Arbeiten faszinierten die Jury aufgrund der Erkundung der Materialqualitäten und der Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Gruppenzugehörigkeit und Individualität. Ihre Werke basieren auf Modulen, auf klaren Formen. Sie sind geprägt durch Zartheit, Fragilität, die subtile Kombination von Formen und Farben. Zugleich wohnt ihnen in der Kombinierbarkeit ein spielerischer Charakter inne.

Jamila Wallentin, Frankreich

Textil

Jamila Wallentins Schalenobjekte sind bestimmt durch die kreisförmige Bewegung und die Ursprünglichkeit des Materials. Sie erschafft aus dem flächigen Textil dreidimensionale Formen. Durch Übereinanderlegen entstehen in einem meditativ anmutenden Prozess poetische Arbeiten.

Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2019

Martin Rolletschek, Deutschland

Sideboard

Der Schreinermeister Martin Rolletschek aus Dachau fertigte ein Sideboard, das strenge Geometrie und Symmetrie bestimmt. Da das Holzgestell mit sehr geringem Querschnitt dimensioniert ist, scheint der Korpus zu schweben. Das mauvefarbene Linoleum bildet zusammen mit der hellen Esche einen reizvollen Kontrast. In reduzierter Formensprache, ungewöhnlicher Farbgebung und Materialauswahl präsentiert sich hier ein elegantes, zurückhaltendes Möbel unserer Zeit. Raffiniert versteckt ist auch ein kleines Geheimfach.