TALENTE – Meister der Zukunft 2022

Zu der Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ 2022 wurden die Teilnehmenden eingeladen, die bereits für das Jahr 2021 ausgewählt wurden, aber aufgrund der Absage der Internationalen Handwerksmesse nicht ausgestellt werden konnten.

„TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ präsentierte 2022 innovative, einfallsreiche, außerordentliche und sehr unterschiedliche Werke gerade in den Bereichen Glas, Keramik, Schmuck und Textil. In diesen Arbeiten spiegelte sich auch das große Interesse an Nachhaltigkeit und alternativen Materialien.

Insgesamt ist eine interessante und vielfältige Auswahl entstanden, die die Auseinandersetzung von jungen Gestaltenden mit zeitgenössischen, ganz aktuellen Themen belegte. Das Anliegen bestand in der Reflexion verschiedener Inhalte, dem Entwerfen von funktionalen, ästhetisch überzeugenden Gebrauchsobjekten, einer Aktualisierung von Traditionen und dem Streben nach mehr Nachhaltigkeit und dem überlegten Einsatz von Materialien.

Aktuelle Tendenzen

So zeigte „TALENTE – Meister der Zukunft “ eine Vielzahl von Arbeiten, die sich mit Materialuntersuchungen und -forschungen beschäftigen. Hierbei ging es um das Wiederverwenden von bereits bestehenden und verarbeiteten Materialien wie Leder, Textilien, Industrie- und Kunststoffabfällen. Zugleich erfolgte eine Beschäftigung mit der Entwicklung neuer Verpackungsmaterialien, die biologisch abbaubar sind, um die Menge an Plastikmüll zu reduzieren.

In den Bereichen Keramik und Glas fiel die Mischung von Arbeiten, die basierend auf der bestehenden Tradition versuchten, neue Ansätze zu finden, und solchen auf, die bestrebt waren, eigene Wege zu gehen und eine neue Wirkung mit dem Material zu erzielen. Es fanden sich plastische Arbeiten, die den Werkstoff zu höchster Geltung kommen ließen.

Der Versuch, Tradition und Moderne zu verbinden, ließ sich auch im Bereich der Möbel finden. Neben aufwändigen Schreibtischen mit Schubladenfächern oder skulptural aufgefassten Möbeln fanden sich moderne Hocker, die, durchaus mit einem Bekenntnis zur Farbe, Leder und Stahl kombinieren oder Möbel, die durch Spanngurte entstehen.

Der Bereich Textil war durch Arbeiten bestimmt, die sich mit Aspekten von Nachhaltigkeit und mehrfachen Einsatzmöglichkeiten, von Schutz und Geborgenheit beschäftigen: Warme Stolen, die durch die Strukturen von Blättern inspiriert sind, dicke Pullover und Kopfbedeckungen, Kindermützen in Form von Tieren, weiche Decken, gemütliche Hängesitze, fantasievolle Masken, die vor Luftverschmutzung schützen sollen.

Daneben fanden sich Modeentwürfe, bei denen Grundformen durch Stickerei verändert werden, oder solche, die aus bedruckten Stoffbahnen herausgetrennt und dann genäht werden. Die Pandemie ist ein Thema, das sich sowohl in Überlegungen zur Gestaltung von Masken widerspiegelte als auch in Reflexionen zur Verletzbarkeit und Fragilität des Körpers spürbar wurde, welche in Motiven und textiler Struktur umgesetzt wurden.

Im Bereich Schmuck wurde eine äußerst spannungsvolle Auswahl getroffen, die viele unterschiedliche Positionen und eine Breite von Materialien umfasst. Verwendet wurden recycelte Kunststoffe, Fundstücke, Holz, Silicon, Glasperlen unterschiedlichster Form, Quarz, verschiedene Steine und Metall, die aufwendig bearbeitet wurden, sodass reizvolle Oberflächenwirkungen und Formen von oftmals poetischem Charakter entstehen. Der Schwerpunkt lag auf einer genauen Wahrnehmung von Materialqualitäten und der Schönheit des scheinbar Nebensächlichen und Wertlosen.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie hier herunterladen oder auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2022

Amelie Graf, Deutschland

Materialien und Technik

Die Jury betonte den zeitgemäßen, relevanten Ansatz von Amelie Grafs Projekt. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Verpackung“ sei von besonderer Aktualität. Hervorgehoben wurde, dass die Verpackung essbar und nährstoffreich sei, dass sie nicht wieder in einen neuen, energieaufwändigen Recycel-Kreislauf münde sowie das überlegte Konzept in der Anbietung und Nutzung der Verpackungen.

Daniela Chodilová, Tschechische Republik

Holz/Glas

Danielá Chodilovás Arbeiten überzeugten die Jury in der überlegten und ästhetisch gelungenen Verbindung von Holz und Glas. Sie seien durch einen gewissen Humor, ungewöhnliche Bezüge und Lebendigkeit gekennzeichnet. Faszinierend sei die Veränderung der Arbeiten durch die chemischen Prozesse, die im Glas erfolgen, wobei gesteuerte und zufällige Abläufe einander ergänzen.

Aphra Cheesman, Neuseeland / Australien

Schmuck

Bei Aphra Cheesmans Serie aus Broschen und einem Anhänger überzeugte der Umgang mit verschiedenen Materialien, die Farbgebung, die Betonung des Prozessualen sowie die Auseinandersetzung mit den Fundstücken. Hervorgehoben wurde die interessante Arbeit mit Gegensätzen und der Charakter des Unvollendeten.

Pavlína Končická, Tschechische Republik

Schmuck

Pavlína Končickás Broschen entstehen aus alten Werkzeugen. Die ausgebildete Schmiedin wechselte zum Schmuck, ohne ihrem eigentlichen Bereich untreu zu werden. Die eindrucksvollen Broschen, die ganz durch die Silhouette und Form der ehemaligen Metallwerkzeuge bestimmt werden, sind von hoher technischer Virtuosität.

Annora Poppe, Niederlande

Schmuck

Annora Poppes Halsschmuck „Reflecting Landscape“ spielt mit der Illusion der Schwere, dem Eindruck des Rauen und Unvollkommenen. Im Mittelpunkt stehen die gegensätzlichen Materialien und Prozesse. Bearbeitung durch die menschliche Hand und durch die Natur werden mit der heimatlichen Landschaft verglichen. Weiterhin sind der Formgebung, so in der Börsenform Anregungen durch Elemente der Frauentracht einer spezifischen holländischen Gegend erkennbar.

Tamar Dgani, Israel

Textil

An dem Teppich von Tamar Dgani faszinierte die Jury der Kontrast von weichem Stoff und hartem Metall und wie diese Gegensätze in der Verarbeitung verbunden werden. Die vermeintliche Einfachheit und der Einsatz des natürlichen Farbstoffs, das Spiel mit Zerstörung und Entstehung wurde hervorgehoben. Der Teppich lädt ein, den üblichen Bick auf Materialien zu überdenken, über Wertkategorien zu reflektieren.

Justine Gaignault, Frankreich

Textil

An Justine Gaignaults Decken und Teppichen lobte die Jury die Kombination der Filz- und der Jacquardtechniken. Diese Verbindung verschiedener Techniken bewertete die Jury als Verbindung von Tradition und moderner Technologie. Darüber hinaus wurde die haptische Wirkung und die Farbwahl geschätzt.

Tim van der Loo und Sandra Nikoline Nielsen, Niederlande und Dänemark / Deutschland

Textil

Bei dem Jeans-Projekt war die Upcycling-Idee besonders interessant: die Art der Produktion, der Materialkreislauf, die Materialverarbeitung. Darüber hinaus wurde auf das ästhetisch faszinierende, überzeugende, feinsinnige, attraktive Erscheinungsbild hingewiesen. Die Verbindung des Recycling-Ansatzes mit einer bewusst gewählten ästhetischen Gestaltung wurde hervorgehoben.

Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2022

Jonas Niedermann, Deutschland

Glasobjekte

Jonas Niedermann hat als Glasgestalter einige der besten Ausbildungsstätten in Europa und den USA besucht. Er erhält den Bayerischen Staatspreis für drei Glasobjekte aus der Serie „Magnetics“. Bei seinen Arbeiten ziehen die inneren Formen Glaspartikel an, die auf der Außenseite aufschlagen, zersplittern und geschmolzene Glasmoleküle auf ihrer Oberfläche hinterlassen.