TALENTE – Meister der Zukunft 2025

2025 präsentierte „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ Arbeiten von 92 jungen Talenten aus 12 unterschiedlichen Gewerken, darunter vor allem Textil, Glas und Keramik, aber auch Möbelbau, Schmuck oder Lederwaren. Die Teilnehmenden kommen in diesem Jahr aus 27 Ländern der Welt, darunter Kolumbien, Pakistan, Simbabwe, China, Ecuador und Israel. Auch bei den verwendeten Materialien gab es keine Grenzen: Selbst Arbeiten aus Tee oder Wachs gab es zu entdecken.

Die Welt verändert sich kontinuierlich – das darf und soll man ihr auch ansehen. Kunstwerke und Alltagsgegenstände sehen heute anders aus als vor 100 Jahren – und auch die Zukunft wird wieder völlig neue Objekte mit sich bringen. Gerade junge Menschen haben ein untrügliches Gespür für anstehende Veränderungen. Sie wollen die Zukunft aktiv mitgestalten und nehmen Herausforderungen ganz bewusst an.

Das zeigte sich zum Beispiel an den zahlreichen Arbeiten, die sich mit Up- und Recycling beschäftigen: Bereits vorhandene Rohstoffe wurden wiederverwendet oder umgewidmet, elektronische Geräte etwa oder Reste von Textilien. Auch die Klimaerwärmung ist für junge Menschen ein wichtiges Thema, Fassadenkacheln zum Bepflanzen bieten eine Möglichkeit für etwas Abkühlung in den Städten

Aktuelle Tendenzen

Ein weiteres wichtiges Thema der Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft 2025“ war der Umgang mit digitalen Produktionsmethoden. Wie können sie sinnvoll zur Gestaltung beitragen, wo bleibt das traditionelle Handwerk überlegen? Die jungen Gestalterinnen und Gestalter haben keine Angst vor den technischen Möglichkeiten, Neugier und Pragmatismus stehen Pate, wenn sie neue Technologien ausprobieren, damit spielen, sie aber auch kritisch hinterfragen. Fahrradhelme aus dem 3D-Drucker und mit Hilfe von Computertechnologie gestaltete Objekte erlaubten einen Blick auf die Zukunft von Handwerk und digitalen Technologien.

Die Materialien Glas und Keramik blieben für junge Designer/innen und Künstler/innen auch im Jahre 2025 spannend, egal ob als Gebrauchsgegenstand oder für freie künstlerische Skulpturen. Das Messepublikum erwarteten farbenprächtige Vasen, großflächige Wandinstallationen oder mannshohe Skulpturen. Vor allem die Oberflächen offenbarten sich immer wieder als Spielwiese unendlicher Möglichkeiten. Im Glas eher selten verwendete Techniken wie Emaille-Malerei und Airbrush oder die Kombination mit Wellblech führten zu völlig neuen, nie gesehenen Objekten.

Auch im Bereich Möbelbau reagierten die jungen Talente auf die Zeitumstände: Kosten und Lieferbedingungen wurden genauso berücksichtigt wie die aktuelle Lebensweise mit häufigen Wohnungswechseln und eher kleinen Wohnungen.

Textilien spielten auf der Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ seit jeher eine herausragende Rolle. Die Vielfalt an Materialien, Techniken und Funktionen war auch im Jahr 2025 wieder beeindruckend. Von kleinen Stoffmusterproben über fertige Kleidung bis zu großen Wandbehängen oder Skulpturen aus flexiblen Textilien war alles dabei. Technisch reichte das Spektrum von traditioneller Textilbearbeitung bis zu computergesteuertem Weben und Stricken. Ein wichtiges Thema war das Upcycling von Stoffen und Garnen sowie der Einsatz von Textilien zur Raumgliederung und Schalldämmung.

Im Bereich künstlerischer Schmuck fand sich die große Lust der Kunstschaffenden an Materialerkundungen und am Spiel mit den Formen in tragbare Welten komprimiert. Aber auch kritische Aussagen zu Politik und Gesellschaft oder persönliche Themen hatten hier ihren Platz. Viele Schmuckkünstler/innen beschäftigten sich mit den Themen Erinnerung und Tradition auf der einen und Erneuerung und Rebellion auf der anderen Seite. Auch grundsätzliche Fragen nach dem Wert von Schmuck wurden gestellt.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2025

Natascha Frechen, Deutschland

Die Jury lobte an Natascha Frechens Arbeiten ihren Umgang mit dem Material und seinen Eigenschaften. Dazu zählen die Verbindungen verschiedener Materialien miteinander, die Kontinuität des Materials und die Anmutung einer scheinbaren, ungewöhnlichen Weichheit im Stein. Bemerkt wurde auch die individuelle Ausführung von Schnüren und Verschlüssen, deren Gestaltung sich nach dem jeweiligen Anhänger richtet.

Lisa Fuhrig, Deutschland

An den Textilarbeiten von Lisa Fuhrig lobte die Jury besonders den Transfer von ihrer Erfahrung auf dem Handwebstuhl auf moderne Techniken, die subtile Farbigkeit und Tiefenwirkung. In einem mehrstufigen Prozess erzielt sie die dreidimensionale Wirkung ihrer Arbeiten durch Nachbearbeitung. Die Raffinesse basiert auf viel Planung, Erfahrungen, auf Material- und Prozessforschung.

Paula Holzhauser, Deutschland

Bei Paula Holzhausers Textilarbeiten faszinierte die Kombination von Nachhaltigkeit, Faltentechnik, Perspektivwechsel. Die Farbkombinationen, die feinen Übergänge verleihen den Arbeiten einen besonderen Reiz, zumal sie mit ihren markanten Falten unterschiedliche, überraschende Ansichtsseiten präsentieren.

Andreas Rier, Italien / Deutschland

Die Gefäßobjekte der Serie „uno col‘altro“ von Andreas Rier interessierten die Jury aufgrund der Fertigungsweise des formgeblasenen Glases mit Formen aus verschiedenem Holz, die sie sich bei jedem Fertigungsgang verändern und damit für ständig variierte Formen sorgen. Die detaillierte, arbeitsaufwändige Herstellung, das Ausreizen der Möglichkeiten der Arbeit in der Glashütte faszinierte ebenso wie der Anschluss an vergangene Glastraditionen und ihre Überführung in die Gegenwart.

Yegyu Shin, Südkorea / Deutschland

Die Jury überzeugte das Konzept, auf dem die Löffelserie beruht, denn die Löffel visualisieren in ihrer unterschiedlichen Größe und Gestaltung einen Lebenszyklus. Die Idee beruht auf der Beobachtung, dass Löffel den Menschen von früh an bis zum Lebensende begleiten. Die feinen, in Silber ausgeführten Löffel versinnbildlichen die Fragilität, Zartheit und Reinheit des Lebens.

Onno Theelen, Niederlande

An Onno Theelens großen Objekten fesselte die Kombination eines zugleich historistischen als auch zeitgenössischen Ansatzes und die Verbindung mit einem individuellen Blick und Humor. Die Details der Fertigung überzeugten ebenso wie der ungewöhnliche, durchaus gewagte Ansatz.

Ta Chun Wei, Taiwan

An Ta Chun Weis Ledergefäßen überzeugte der Umgang mit dem Material, die individuelle, neuartige Auffassung, die präzise, gebaut anmutende Konstruktion und die Kunstfertigkeit. Der Materialtransfer von Metall zu Leder ist ebenso interessant wie die kreative Beschäftigung mit der Tradition des regionalen Metallhandwerks.

Gewinnerinnen und Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2025

Sulo Bee, USA

Schmuck

In einer Mischung zwischen traditionellen und zeitgenössischen Techniken finden Edelsteine, Metall und profane Materialien der Umgebung wie z. B. der Wüstensand aus Texas zusammen. Die junge Schmuckgestalterin lässt eine ungesehene neue Ästhetik entstehen, die im Tragen und Betrachten zum Träumen inspiriert und in eine phantastische Welt einlädt.

Fern Liberty Kallenbach Campbell, USA / Deutschland

Textil

Die traditionsreiche textile Technik des Tuftens erfährt derzeit eine Renaissance – wie durch die junge deutsch-amerikanische Gestalterin Fern Liberty Kallenbach Campbell beispielgebend gezeigt wird. Das klassische Motiv eines Stilllebens auf dem Tisch wird durch Malerei und digitale Bearbeitung konzeptuell entwickelt und mit verschiedensten Textilfasern dreidimensional sowie haptisch erlebbar auf vorbildhafte Weise umgesetzt.

Fleury-Dugy Gaspard, Frankreich

Textilstudien, 3-D Strick (voluminöse Vasen)

Die französische Textilgestalterin hat sich der Technik des Strickens verschrieben. Sie entwickelt Muster und Farbkonzepte, die sie in Faserstärken und den Farben des Regenbogens durchdekliniert. Es entsteht über die innovativen Muster hinaus ein Dialog zwischen handwerklichen und digitalen Verfahrensweisen. Das Ergebnis sind originelle Formen, die an Gefäße erinnern.

Rebecca Milautzki, Deutschland

Textil

Diese in Jacquard-Technik gewobenen Textilien faszinieren in ihrer Flexibilität und Transluzenz. Das dreidimensionale Gewebe wird mit komplexen Gewebestrukturen unterlegt. Fließende Reflexe und zarte Schattenspiele faszinieren die Betrachterinnen und Nutzer gleichermaßen.

Romina Ried, Deutschland

Keramik

Die gelernte Holzschnitzerin Romina Ried studierte Keramik-Gestaltung an der Burg Giebichenstein. Sie löste sich aus dem Einfluss ihrer prägenden Lehrer und entwickelte eine eigenständige Formensprache, die sich in den selbstbewusst auftretenden Gefäßen vorstellt. In zarten Farbspielen speichern sich die in der Natur gesammelten Materialien.

Apollo Wooden Wheelchairs, Frankreich

Holzrollstuhl „Apollo IV, Sonderedition Paris 2024“

Der französische Entwickler und Hersteller dieser modernen Rollstühle schneidet mit modernen CNC-gesteuerten Werkzeugen aus Birkenschichtholz Lamellen, die an einer Achse zusammengefügt, den Rohling des Stuhles ergeben. Dabei wird alles überflüssige Material aus den Teilen ausgeschnitten um möglichst geringes Gewicht bei höchster Stabilität zu erreichen. Danach wird in aufwändiger Handarbeit der Rohling bearbeitet und geschliffen, bis die angenehmen abgerundeten Formen und die hochfeine Oberfläche entsteht. Der Stuhl wird mit einer angepassten Polsterung an den Nutzer angepasst und mit bewährtem Räderwerk ausgestattet. Die starren Rollstühle eigenen sich gleichermaßen für sportliche Betätigung als auch für die Nutzung im Haus als gelungenes Möbelstück und Fortbewegungsmittel für Menschen mit Behinderung.