TALENTE – Meister der Zukunft 2024

2024 präsentierte die Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ Arbeiten von 92 jungen Gestalterinnen und Gestalter aus 27 Ländern in 12 unterschiedlichen Gewerken. 2024 waren auch Werke von Teilnehmern aus China, Iran, Israel, Kroatien, Kolumbien und Litauen dabei.

TALENTEmünchen zeigt innovative, einfallsreiche, außerordentliche und sehr unterschiedliche Werke gerade in den Bereichen Glas, Keramik, Schmuck und Textil. Die Exponate spiegeln besonders das große Interesse an Textilien, das sich schon in den letzten Jahren zeigen ließ, und dasjenige für Glas, das als ein vielfältig einsetzbarer Werkstoff entdeckt wird.

Aktuelle Tendenzen

Im Vergleich mit den Bewerbungen der Vorjahre scheint sich das stark wachsende Interesse am Glas fortzusetzen. Es fällt hier die Auseinandersetzung mit Traditionen, besonders in den Beispielen aus der Tschechischen Republik, und das Bestreben auf, diese mit zeitgenössischen Themen und einer modernen Formensprache zu verbinden.

Hinzu kommen ungewöhnliche Materialkombinationen, die mit den jeweiligen Materialeigenschaften und -charakter spielen.

Daneben zeigen die Glasarbeiten die Inspiration durch die Natur, sowie das Anliegen, nicht nur auf deren Schönheit, sondern auch auf deren Gefährdung hinzuweisen.

Wie im Glas finden sich auch in der Keramik sehr unterschiedliche Positionen. Neben der Erforschung von klassischen Produktionsweisen und dem Zusammenklang von maschineller und handwerklicher Fertigung, geht es auch um das Erforschen von und die grundlegende, suchende Auseinandersetzung mit Materialien und Techniken.

Sehr perfekten, hoch ästhetischen Arbeiten aus Südkorea stehen experimentelle Stücke von ungewöhnlicher Farbwirkung und Formgebung gegenüber, die sich mit Oberflächen und Räumlichkeit auseinandersetzen. Skulpturale Arbeiten und solche mit funktional-praktischen Anliegen finden sich nebeneinander in „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“.

Die Suche nach formaler Gestaltung und das große Interesse an Materialien prägen auch die Arbeiten in Holz – seien es skulpturale Werke von sehr unterschiedlichem Charakter oder Möbelstücke, bei denen es gelingt, mit großer Umsicht, Geduld und Materialexpertise für etablierte Formen doch neue Lösungen zu entwickeln.

Andere Möbelstücke beschäftigen sich mit der Anpassung von bestimmten Formen an die aktuelle Lebensweise mit häufigeren Wohnungswechseln, kleinen Wohnungen und sich verändernden Bedürfnissen, aber auch mit der der Wiederverwendung von Materialien.

Textilien spielen auch dieses Jahr eine besondere Rolle. Auch hier sind sehr unterschiedliche Positionen zu beobachten, eine Breite an Formaten von großen Wandarbeiten zu kleinen Musterproben sowie verschiedene Anliegen, die von Bezugnahme auf aktuelle Themen über modische Gestaltungen und praktische Verwendung reichen.

Auch die Techniken sind vielfältig und umfassen Druck, unterschiedliche Arten des Webens, Stricken, Sticken und Faltengebung. Es ist eine Beschäftigung mit verschiedenen Techniken und Gestaltungsweisen sowie ihrer Einsatzmöglichkeiten zu beobachten, die Auseinandersetzung mit traditionellen Techniken und einem zeitgenössischen Erscheinungsbild.

Thematisch reichen die Arbeiten vom Übersetzen von Natureindrücken und der Begeisterung über die Farbigkeit der Natur über die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität und Herkunft bzw. mit den sich daraus ergebenden Problemen zu einem bewussten Integrieren von Verschleiß und Auflösung als ästhetische Komponenten und als materiatypisches Charakteristikum, mit der Schönheit des Verfalls.

Andere Arbeiten sind durch ein narratives Element geprägt, durch das Erkunden vom Zusammenhang von Fläche und Raum, Farbe und Licht oder sind bestrebt, Bewegung und Veränderung einzubeziehen.

Der Bereich Schmuck ist erneut durch die Vielfalt der verwendeten Materialien und zugrundeliegenden Ansätze geprägt. Im Schmuck findet sich die Auseinandersetzung mit politisch-sozialen, künstlerischen und persönlichen Themen. So geht es um die Frauen im Iran oder die an Frauen gestellten traditionellen, geschlechtsspezifischen Erwartungen.

Es geht aber auch um private Reflexionen, die sich mit den Begriffen von Zugehörigkeit und Heimat beschäftigen, mit dem Aufeinandertreffen von zwei Kulturen, mit Schmerz und Trauma, mit Erinnerung und dem Alltag, mit Tradition und Experiment.

Daneben werden sehr poetische Arbeiten gezeigt, die in Betrachtung von Naturphänomenen erfahrene Gefühle umsetzen. Auch materialorientierte und formale Experimente prägen den Schmuck.

Katalog

Den Katalog zur Sonderschau „TALENTEmünchen – Meister der Zukunft“ können Sie auf der Website der Handwerkskammer für München und Oberbayern online bestellen.

Gewinnerinnen und Gewinner des „TALENTE – Meister der Zukunft“ Preises 2024

Daniela Cimen, Deutschland

Materialien und Technik

Daniela Cimens Projekt „Re·in·Waste“ überzeugte die Jury durch die innovative Herstellung, Anwendung und unterschiedlichen Texturen. Aus einem biologischen Abfallstoff wird ein wasserabweisender, biologisch abbaubarer Mantel entwickelt, wobei die Erinnerung an das Ausgangsmaterial gewahrt bleibt. Die Jury erkannte in diesem Projekt Ansätze für weitere Materialproben und Einsatzmöglichkeiten.

Max Greiner, Deutschland

Glas

Das Projekt „About Slag“ von Max Greiner interessierte die Jury zum einen wegen des seriellen und experimentellen Charakters, zum anderen wegen des Hinterfragens des Wesens, der Vorstellung von Gefäßen. Ein weiteres Argument bildete der Umgang mit Materialerwartungen – wie aus einem eigentlich hässlich und schmutzig scheinendem Ausgangsmaterial ein schöner, ästhetisch gestalteter Gegenstand entsteht.

Charlotte Marabito, Deutschland

Keramik

An Charlotte Marabitos Projekt „Performative Extrusion“ faszinierte die Jury die Materialforschung, der spielerisch-experimentelle Charakter sowie die Kombination eines eigentlich mechanischen Vorgangs mit Handarbeit. Die Störung, das Eingreifen in den traditionellen Vorgang des Extrudierens fand Lob.

Lydia Soojin Park, Südkorea / Norwegen

Keramik

Lydia Soojin Parks Keramikobjekten gefielen aufgrund ihrer ästhetischen Qualitäten und ihres narrativen Charakters. Besonders die Arbeit mit verschiedenen Ebenen, die Kombination unterschiedlicher Muster und Farben in einer Arbeit sowie die Reflektion über Aspekte traditioneller Keramik wurden hervorgehoben.

Soohyun Chou, Südkorea

Metall

Soohyun Chous Gefäße sind durch Strenge, Kraft, Reflektion und genaue Überlegung sowie durch konstruktive Klarheit bestimmt. In ihrer Monumentalität, kraftvollen Ausstrahlung und Reliefgestaltung scheinen sie mit einer nahezu architektonischen Qualität ausgezeichnet zu sein.

Benedict Haener, Schweiz

Schmuck

Benedict Haeners Arbeiten aus der Serie „Sugar Free“ faszinieren durch die illusionistische Wirkung. Der Jury gefiel das auf den ersten Blick lustige Element, das bei genauerem Betrachten der Wertschätzung für die handwerkliche Qualität, die Subtilität und dem Umgang mit Materialien weicht. Der Kinderschmuck aus Süßwaren wird hier aufgegriffen, und es wird mit dem Aspekt der Künstlichkeit gespielt.

Masoumeh Rezaeilouyeh, Iran / Deutschland

Schmuck

Masoumeh Rezaeilouyehs Halsschmuck „Frau, Leben, Freiheit“ berührte die Jury aufgrund der politischen Inhalte und der handwerklichen Qualität. Die Schwere der inhaltlichen Information steht der Feinheit der Materialien und der Zartheit der Technik gegenüber. Die Jury lobte den Umgang mit Traditionen, den feministischen Standpunkt und das Weiterführen der Vermittlung weiblicher Botschaften im textilen Medium.

Damien Ajavon, Frankreich / Norwegen

Textil

An Damien Ajavons Arbeiten schätzte die Jury die Vielfalt von Informationsebenen, darunter Kunstgeschichte, Gender-Fragen, Kulturaspekte, Kolonialismus-Debatten, Norwegen. Das Fließende in Hinblick auf Identität, Tätigkeit, Kunst und Handwerk sowie Kunstgeschichte faszinierte.

Gewinnerinnen und Gewinner des Bayerischen Staatspreises 2024

Maya Fenderl, Deutschland

Vasenobjekt „90s Sunset“

Farbkontraste und Strukturen überlagern sich in der Arbeit der Keramikerin Maja Fenderl. Frei geformte Elemente werden in der großen Vase zu einer spielerischen Einheit.

Nora Lardon, Schweiz

Textil „Untitled Nr. 5“

In ihrem zweidimensionalen Gewebe erzeugt die Textilgestalterin Nora Lardon in der Technik des Jaquardgewebes eine sublime dreidimensionale Wirkung durch Farbe und technische Finesse.

Gunther Pfeffer, Deutschland

Modulares Regal „fragment“

In klassischen Holzverbindungen lässt Gunther Pfeffer ein modulares ästhetisch überzeugendes Regal entstehen – ein gelungener Gegenvorschlag zum standartisierten privaten Wohnen.